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Frieden für die Ukraine?

Warum den Eklat zwischen US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident J.D. Vance und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensky im Weißen Haus über die amerikanische Ukraine-Hilfe und den geplanten, nun geplatzten Rohstoff-Vertrag nicht als letzte Chance für die Europäer verstehen? Ich war und bleibe auf der Seite der Ukraine und Selenskys. Doch die Europäer hatten drei Jahre Zeit, sich mit der Aussicht auf einen möglichen Wahlsieg Trumps verteidigungs- und sicherheitspolitisch neu aufzustellen. Außer bei den Balten, in Polen, in Tschechien und in Großbritannien hat man diese allerhöchste Dringlichkeit in Europa offenbar nicht erkannt. Die unausgesetzte, als vermeintliche Besonnenheit verklärte Verzögerungsstrategie Deutschlands unter Kanzler Scholz bei den Waffenlieferungen an die Ukraine hat ihren Verteidigungskampf immer aufs Neue ausgebremst und Putin signalisiert, dass es allein schon am politischen Willen des stärksten unter den europäischen Staaten fehlt. Egal, wie warm und entschlossen die Worte deutscher Regierungspolitiker zugunsten der Ukraine auf diplomatischem Parkett klangen.

Es sah immer so aus, als wolle sich Olaf Scholz einen Türspalt zu Putin-Russland für die Nachkriegszeit offenhalten. Falls das so war, kassiert den Lohn für diese Art Appeasement-Politik nicht der deutsche Kurzzeitkanzler, sondern Donald Trump, der für Putin erwartungsgemäß beide Türflügel weit und bis zum Anschlag aufreißt. Ob Trump das tut, um Putin auf Kosten der Ukraine von China und dem Iran loszueisen oder weil Putin ihn mit irgendetwas in der Hand hat, mögen Berufenere herausfinden und beurteilen. Frieden, Menschenleben und die Verhinderung eines Dritten Weltkriegs liegen Trump jedenfalls nicht vordringlich am Herzen. Doch um das amerikanische Wahlvolk auf seine Seite zu ziehen und von der Hilfsbereitschaft gegenüber der Ukraine abzubringen, muss Trump eine Täter-Opfer-Umkehr vornehmen und den ukrainischen Präsidenten Selensky vor der Weltöffentlichkeit als Kriegstreiber, der überhaupt keinen Frieden will, dastehen lassen. Überzeugend war das allerdings nicht. Großes Kino. Sowjetischer Film. Nur, dass Selensky nicht mitgespielt hat und der Hauptdarsteller, das Kreml-Krokodil, nicht vor, sondern hinter der Kamera stand. Ich glaube nicht, dass das die letzte Filmvorführung gewesen ist. Trump will den Saal als Friedensstifter verlassen. Zumindest darauf würde ich rechnen. Ohne die Ukrainer aber wird Trump dieses Ziel nicht erreichen.